Pfahlbaumuseum Unteruhldingen, Bodensee

Archäologie trifft auf innovativen Holzbau

Bauherrschaft

Verein für Pfahlbau- und Heimatkunde e. V.

Architektur

a+r Architekten, Stuttgart

Tragwerksplanung

Merz Kley Partner Ingenieure

Techn. Gebäudeausrüstung

HLS planning: IWA Ingenieur GmbH, Überlingen

Elektroplanung

IB Schwarz, Ravensburg

Brandschutzplanung

Kuhn Decker Architekten und Ingenieure, Sindelfingen

Holzbauunternehmen

Holzbau Amann GmbH, Weilheim

Gebäudeklasse

3

Sonderbau

Yes

Nutzungsart

Museum

Nutzungsfläche (NUF)

approx. 1300 m²

Nettoraumfläche (NRF)

approx. 1,400 m²

Bruttogrundfläche (BGF)

1,530 m²

Bauzeit

Oktober 2022 bis Juni 2024

Fertigstellung

20. Juni 2024

Projektbeschreibung

Die Vermittlung des Weltkulturerbes steht in dem seit 1922 bestehenden Museum im Mittelpunkt der Darstellung – die Vision eines zeitgemäßen Besucherzentrums für das älteste, archäologische Freilichtmuseum Deutschlands. Es ist für den gemeinnützigen Pfahlbauverein mit seinen rund 700 Mitgliedern eine Investition in die Zukunft, die unter der Zielsetzung, Klimaeignung, Saisonverlängerung und moderner Präsentation des kulturellen Erbes Pfahlbauten am Bodensee für die Allgemeinheit erfolgte.

In einem sensiblen Umfeld zwischen Wasser, Ufer und historischen Rekonstruktionen von prähistorischen Siedlungen, die als UNESCO-Welterbe eingestuft sind, entwickelten a + r Architekten aus Stuttgart und Tübingen eine zeitgemäße Interpretation der prähistorischen Bauweise für ein modernes nachhaltiges Gebäude, das sich respektvoll in die Kulturlandschaft einfügt.

Innovation im Holzbau

Der Neubau wurde als kompletter Holzbau auf einem Pfahlrost errichtet und spielt damit bewusst auf die historischen Pfahlbauten an. Tragende Konstruktionen, Außenwände und Dach bestehen weitgehend aus regionaler Weißtanne. Innovativ ist die konstruktive Holzschutzstrategie: Durch große Dachüberstände und detailgenaue Vorfertigung bleibt die Holzkonstruktion optimal geschützt, ohne chemische Behandlung. Der Bau ist als reversibles System ausgelegt – Materialien könnten rückstandsfrei demontiert und wiederverwendet werden.

 

Abgesehen vom der Fundamentplatte ist das Museum ein reiner Holzbau. Die hintereinander gereihten unterspannten Rahmentragwerke aus Brettschichtholz prägen den Innenraum. Als Dachkontruktion sind außen auf das Rahmentragwerk aufgelegte Lignotrend Blockelemente (9cm stark und akustisch wirksam, dank integrierter Absorberlage im Dachelement) verwendet worden.
An diesem spektakulären Dachtragwerk hängt die Besucher-Galerie aus Brettsperrholz an dünnen weißen Stahlstangen. Sie schwebt sozusagen frei über dem Erdgeschoss und ermöglicht eine hohe Flexibilität, immer neue Blickwinkel und Perspektiven auf die Ausstellung.

Durch die große Spannweite des Tragwerks und das Abhängen der Galerieebene an das Dachtragwerk wird eine nahezu stützenfreie Ausstellungshalle geschaffen.
Die einseitige Einziehung im Westen des Grundrisses über die gesamte Längsseite und die Asymetrie des ganzen Gebäudes hat zur Folge, dass es im Aufbau kein einziges Holzstück gibt, welches dem anderen, gleicht. Entsprechend den Zeiten früher, als die Menschen mühsam alles von Hand herstellten. Die Ausstellungshalle verjüngt sich zu den beiden Giebelseiten, dadurch verdreht sich das offene Dachtragwerk. Die Individualität in Form und Winkel jedes Trägers wurde durch Digitalisierung des gesamten Prozesses, von der Planung bis hin zur Baustelle umgesetzt, wodurch ein hoher Vorfertigungsgrad erreicht wurde. Dies verkürzte die Bauzeit enorm. Das Haupttragwerk konnte auf diese Weise in 4 Wochen komplett montiert werden.

Bauweise

Das Hauptgebäude (Bestand) mit Anbau und Erweiterung wurden in Massivbauweise errichtet.
Der Anbau und die Erweiterung haben begrünte Dächer, das Hauptgebäude hat ein Dach mit Metalleindeckung.

Der Neubau erhält eine Skelettkonstruktion aus Stahlstützen und Stahlträgern bzw. ein Holztragwerk, die Nebenräume werden als Stahlbetonkonstruktion errichtet. Die Stahlbauteilewerden feuerhemmend beschichtet bzw. verkleidet, das Holztragwerk wird vom Tragwerksplaner feuerhemmend dimensioniert. Es ist eine hinterlüftete Holzfassade mit Lärchenholz-Kanthölzern vorgesehen, auf dem Dach werden die Kanthölzer aus gestalterischen Gründen fortgesetzt.

Das Nebengebäude wurde in Massivbauweise errichtet, das Dach wurde mit Dachziegeln gedeckt.

Förderungen

  • Verein für Pfahlbau- und Heimatkunde e.V. (12 Mio €)
  • Bundesprogramm: „Investionen für nationale Kultureinrichtungen in Deutschland“ (INK) (1,975 Mio €)
  • Land Baden-Württemberg und Europäischer Fond für Entwicklung (EFRE): „Holz Innovativ Programm“ (300.000,00 €)
  • LBBW Stiftung Landesbank: Modernisierung der Multimedia-Installation „Archaeorama“ (30 000 Euro)
  • BKM Staatsministerium Kultur und Medien DVA Deutscher Verband für Archäologie Förderprogramm „Museen in ländlichen Räumen 2024“ (25. 000 Euro)
  • Land Baden-Württemberg: Projekt Einrichtung einer „Toilette für Alle“ (11.340,00 €)

Auszeichnungen des Neubaus

1. Preis im Architekturwettbewerb (2018)

Der Entwurf des Neubaus von a+r Architekten aus Stuttgart gewann den ersten Preis in einem Architekturwettbewerb im Jahr 2018. Die Architekten ließen sich dabei von der Form eines umgedrehten Einbaum-Bootes inspirieren, was sich in der markanten Dachform des Gebäudes widerspiegelt.

 

Auszeichnung für beispielhaftes Bauen im Bodenseekreis (2018–2024)

Das Projekt wurde im Rahmen des Wettbewerbs „Beispielhaftes Bauen Bodenseekreis 2018–2024“ ausgezeichnet. Dieser Preis würdigt herausragende Bauprojekte in der Region.

 

Inklusion Plus Award 2021

Der Preis würdigt Einrichtungen, die sich besonders für Barrierefreiheit und Inklusion einsetzen. Das Pfahlbaumuseum Unteruhldingen erhielt die Auszeichnung für seine umfassenden Maßnahmen zur Verbesserung der Zugänglichkeit für Menschen mit Behinderungen. Dazu gehören unter anderem barrierefreie Rampen, erweiterte Eingänge und ein rollstuhlgerechter Rundgang durch das Freilichtmuseum.

Pfahlbaumuseum Holzbau Innenansicht
©APM/Werner Huthmacher

Brandschutzkonzept

Das Brandschutzkonzept berücksichtigt die exponierte Lage und die Anforderungen eines öffentlichen Museums.
Für den Gebäudekomplex stehen genügend Notausgänge zur Verfügung. Die zulässigen Rettungsweglängen werden eingehalten
Das Brandschutzkonzept baut auf feuerhemmenden tragenden und aussteifenden Wände und Stützen in Geschossen auf.
Tragende und aussteifende Bauteile in Dachgeschossen müssen keine besonderen Anforderungen erfüllen, da darüber keine Aufenthaltsräume möglich sind.

Bei dem hier betrachteten Ausstellungsraum ging es um den Abweichungsantrag hinsichtlich
Feuerwiderstandsdauer des Tragwerks. Mit der Brandsimulation wurde nachgewiesen,
dass es während des Simulationszeitraumes von 35 Minuten nicht zu einem Vollbrand
kommt, der das Tragwerk beanspruchen würde (Flash-Over).

In Bezug auf die Rauchableitung werden die Anforderungen der Versammlungsstätten Richtlinie umgesetzt. Zum Nachweis wurde in den Geschossen Sensoren in einer Höhe von 1,8 m über feuerfeste Bauteile verteilt, die diese Kriterien in Abhängigkeit von der Zeit aufzeichnen.

Erforderliche Maßnahmen

Um das beschriebene Schutzziel einzuhalten sind folgende Maßnahmen erforderlich:

  • Entrauchung über RWA-Öffnungen, wie weiter oben unter „Ventilationsbedingungen“ beschrieben,Außenwandöffnungen und der großen Tür der Ostfassade. Die Türe wird jedoch erst 10 min nach Detektieren geöffnet (Eintreffen der Feuerwehr).
  • Öffnen der RWA und der weiteren Zu- und Abluftöffnungen spätestens 4 s nach Auslösen
    der entsprechenden Rauchmelder
  • Rauchmelder im EG aktivieren alle Öffnungen im EG (ausgenommen die Türen).
  • Der Rauchmelder bei der RWA löst alle Öffnungen im OG aus.
  • Alle Öffnungen wie oben unter „Ventilationsbedingungen aufgelistet

Die massiven Holzelemente wurden so dimensioniert, dass sie auch bei fortschreitendem Abbrand ihre statische Funktion erhalten. Verdeckte Brandschutzbekleidungen und intelligente Bauteilschichtungen sichern Flucht- und Rettungswege. Zusätzlich wurden Brandfrüherkennungssysteme integriert, um Besucher und Exponate effektiv zu schützen.

Akustik

Für die neue Ausstellungshalle und die Veranstaltungsräume wurde ein spezielles und bereits bewährtes Akustikkonzept angewendet. Der offene Dachstuhl erhielt akustisch optimierte Holzuntersichten, also Lignotrend-Dachelemente mit integrierten Absorbern in den Dach- und Wandbereichen. Dadurch werden sowohl die Sprachverständlichkeit bei Führungen als auch die Raumruhe bei Veranstaltungen deutlich verbessert – trotz der offenen, weit gespannten Holzarchitektur.

Pfahlbaumuseum Innovativer Holzbau Vogelperspektive
©APM/Achim Mende
Pfahlbauten Aussensicht Fassade in Holzbauweise
©APM/Werner Huthmacher
©APM/rendering a+r
Pfahlbaumuseum Holzbau Innenansicht
©APM/Werner Huthmacher
Baustellenansicht Holzstützen Pfahlbauten
©APM/Gunter Schöbel
©APM/Bernhard Waurick

Pläne/Zeichnungen

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Ansprechpartner

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Sabine Groeneveld
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